Experiment ZUKUNFT
Autor/Quelle: Reaktion KaSch - M. Oehmig | Sonntag, den 18. Dezember 2011 um 22:03 Uhr
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Die Oberbürgermeisterin kam mit einem Blumenstrauß und machte es sich für einige Minuten auf dem gemütlichen Sofa in der Bibliothek vor ihrem Rundgang durch das Haus bequem, übrigens nicht zum ersten Mal. Grund war die offizielle Eröffnung des alternativen Wohn- und Kulturprojektes auf der Leipziger-Ecke Limbacher Straße am 29. Oktober und Tag der offenen Tür. Gelegenheit für alle Bürger zu schauen, wie Jugendliche mit anderen Lebensentwürfen dieses gestalten. Noch die halbe Nacht haben die engagierten Jugendlichen gearbeitet, damit sie an diesem Tag ihre „Gute Stube“, den großen Raum für Konzerte, Workshops und andere Veranstaltungen vorzeigen konnten. Ein Jahr des Umzugs - Rauswurfs - aus dem Exka am Bernsbachplatz, der Renovierung und der Überwindung bürokratischer Hürden liegt hinter ihnen. Im Nebenraum stellten Künstler aus was sie in den Ateliers der oberen Etagen geschaffen haben. Mädchen waren damit beschäftigt, Kleidungsstücke zu sortieren, die kostenlos, gegen eine kleine Spende, oder im Tausch erworben werden können.
Im Hinterhof luden junge Männer und Frauen zu Kaffee, selbstgebackenem Kuchen, einem Glas Wein oder einem Reisgericht ein. Ein junger Mann war damit beschäftigt, das Fahrrad eines Freundes auf Vordermann zu bringen, während Max Stöße von Büchern herbeischaffte, um diese in die Regale der behaglich Bibliothek einzuordnen. Ein Künstler bedruckte T-Shirts, Sven
Buschmann zeigte bei einem Rundgang Anfänge einer geplanten „Filmfabrik“.
Sarah Langer, eine der ca. 20 Aktiven, freute sich, dass Anwohner, Studenten, junge Familien, ältere Ehepaare und Interessenten den sonnigen Samstagnachmittag nutzten, um zu sehen, wie dieses Karree Limbacher- Matthesstraße, 3 200 Quadratmeter und 13 Wohnungen zu moderaten Mieten wiederbelebt wird. Eine ältere Dame nahm die Gelegenheit wahr, um ihre Hilfe anzubieten. So soll es sein, jeder ist aufgerufen, das alternative Wohn- und Kulturprojekt KOMPOTT mitzugestalten. Bürger der Nachbarschaft und die jungen Leute unterschiedlicher Herkunft sollten gegenseitig Rücksichtnahme und Verständnis zeigen und bei Unstimmigkeiten das Gespräch suchen. Der Trägerverein nennt sich Urbane Polemik e.V., vielleicht prägt sich der anschauliche Name Kompott eher ein. Neben diesem etwas sperrigen Namen hat der Künstler Steffen Volmer dem Komplex in großen Lettern das Wort ZUKUNFT angeheftet, Hoffnung auf die Jugend, die einen kleinen Grund mehr hat, in dieser Stadt zu bleiben.

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