Das Märchen vom Umwelt- und Naturschutz.
Autor/Quelle: Kaßberg24-D.Richter | Freitag, den 13. August 2010 um 01:01 Uhr

Jeden Tag führt mich mein Weg vorbei, an der Baustelle Nr.1 in unserem Stadtteil. Ja genau, von dem „heiß ersehnten“ Neubau des EDEKA Marktes an der Weststraße, Ecke Hoffmannstraße ist die Rede. Vor kurzem standen auf dem Gelände noch Bäume und die Natur hatte ein Stück Stadt für sich. Doch wie das so ist, akzeptiert das Unterbewusstsein schnell das Bild von Baggern und Raupen, die sich durch die aufgerissene Erde fressen. Und mein Sohn findet es sowieso toll und fragt jedes Mal, ob wir nicht anhalten und dem martialischen Treiben zuschauen können. Ob er mich später dann auch fragt, ob wir auf dem betonierten Parkplatz zwischen den Autos spielen, wenn der „Markt der Generationen“ fertig ist? Eher nicht, denn spielen lässt es sich doch viel besser auf einer Wiese und unter Bäumen. Aber das Rad der Entscheidung lässt sich für dieses Bauvorhaben nun einmal nicht zurückdrehen und so setzt man wenigstens die Hoffnungen in ein umweltgerechtes und Naturschutz berücksichtigendes Bauen. Und hier fängt unser Märchen an.
Weststraße / Ecke Hoffmannstraße im Herbst 2008
Es war einmal (und ist es noch) ein gesetzliche Maßgabe, dass nach §39 BNatSchG Bäume nicht in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September gefällt werden dürfen. Dass diese nun überraschender Weise Anfang Juli, in der nach Amtssprache sogenannten Vegetationszeit, gefällt wurden, ist dann doch etwas verwunderlich und regt zur Nachfrage an. Vor allem wenn man als Chemnitzer zur gleichen Zeit vom Umweltamt der Stadt um Mithilfe aufgerufen wird, sich für den Schutz von Fledermäusen zu engagieren (K24 berichtete). Wieso jetzt auf einmal die armen Fledermäuse ins Spiel kommen fragen Sie sich. Nun, weil alles mit allem in der Natur zusammenhängt. Und so fühlten sich u.a. die stark bedrohten Fledermäuse gerade im Bereich des Baugebietes und der dortigen Bäume richtig wohl. Wiederholt seien unterschiedliche Arten wie Abendsegler, Große Mausohr, Breitflügelfledermaus und Zwergfledermaus gesichtet wurden. Das steht im Übrigen so explizit auch im Umweltbericht des Vorhabenbezogenen Bebauungsplan der Stadt für den neuen Supermarkt! Ebenfalls findet man dort alle Bekenntnisse für den Ausgleich des entstehenden Naturschadens und selbstverständlich die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich des Umweltschutzes.
Aber was soll`s, zu jedem Gesetz gibt es ja bekanntlich eine Novelle. Und in unserem speziellen Fall hebt sich das Gesetz dann gleich auch mal selbst auf! Im schon zitierten Paragraph 39 steht nämlich auch, daß alle Regelungen dem öffentlichen Interesse zum Opfer fallen können. Sofort kommt einem hier natürlich die Frage in den Sinn, wem es denn nicht schnell genug gehen konnte, damit das Umweltamt eine entsprechende Sonderregelung zur Baumfällung ausstellte? Ich bezweifele ja stark, dass es die Kaßberger selbst waren!?
Schlussendlich sind die Bäume weg und damit auch unsere Fledermäuse sowie alle anderen Tiere dieses Mikrokosmos. Was bleibt ist die Tatsache einer Baustelle, die Vorfreude auf unsägliches Einkaufsvergnügen sowie das eigene Gefühl, mal wieder nicht nachhaltig für unsere Natur eingestanden und gekämpft zu haben!
Kommentare (7)





















